Schaugarten

Lidia und Demetrio Berta, die Eltern von Luciano, führten bis im Herbst 1991 einen traditionellen Kleinbauernbetrieb, wie es in Braggio noch einige andere gab. Das Paar bewirtschaftete ca. 4 ha Land. Alle Arbeiten wurden von Hand ausgeführt. Es gab weder Motormäher noch Transporter. Dafür arbeiteten sie mit Sense, Gabel, Gambacc und Gerla.(Rückenkorb)Visionen für das Weiterbestehen des Betriebes gab es nicht.

 

 

Im März 1981 nahm Agnes Wohnsitz in Braggio und pachtete 2,5 ha Land mit 2 kleinen Ställen, kaufte 20 Ziegen, einen Motormäher und startete mit einem ultrakleinen Landwirtschaftsbetrieb. Die erste Zeit machte sie Formaggini aus Ziegenmilch (typische Frischkäse der Region) in der kleinen Küche ihrer Mietwohnung. Im Winter arbeitete sie am Webstuhl.

 

Schon im zweiten Betriebsjahr kaufte Agnes einen kleinen landwirtschaftlichen Transporter. Was für eine Erleichterung! Kein Heu mehr auf der Schulter, kein Mist mehr austragen!!

 

 

 

 

Luciano, arbeitete zu der Zeit an der Seilbahn Arvigo - Braggio. Die Seilbahnangestellten waren denn auch die ersten Einheimischen, mit denen Neuankömmlinge Kontakt hatten. So lernte Agnes den Maschinisten Luciano kennen und im Jahre 1983 wurde Hochzeit gefeiert.

 

1984 und 1986 kamen Romano und Aurelia auf die Welt. Die beiden Kinder bereiteten der ganzen Familie grosse Freude. Eine neue Generation wuchs heran.

 

Die Familie machte sich Gedanken über die Zukunft der beiden Betriebe. Die Kräfte der Grosseltern liessen nach. Die alten Ställe genügten den neuen Tierschutz- und Gewässerschutzgesetzen nicht mehr. Investieren oder die Landwirtschaft aufgeben?

Die Familie entschied sich für die Investition in einen neuen Stall mit der Vision, in weiterer Zukunft nach dem Zusammenschluss beider Betriebe einen kleinen Vollerwerbsbetrieb zu bewirtschaften.

 

So wurde im Herbst 1991 ein neuer Stall für Kühe und Ziegen eingeweiht. Lidia und Demetrio übergaben ihren Betrieb der jüngeren Generation.1998 beendete Luciano seinen Dienst an der Seilbahn als kantonaler Angestellter.

 

1996 ergab sich eine erste Gelegenheit, im Tourismus aktiv zu werden. Die Besitzer des Nachbarhauses suchten einen Mieter für ihr Haus. Agnes glaubte an ein touristisches Potential auf der Sonnenterasse Braggio und unterschrieb einen Mietvertrag. Während 10 Jahren wurde das „Casa Tino“ an Feriengäste angeboten. Ein erstes Netz an interessierten Gästen entstand.

 

Ab 2006 wurde das Haus wieder von den Besitzern selber genutzt. Im gleichen Jahr ergab sich für Daniela, die Schwester von Luciano, die Möglichkeit, das Haus ihres verstorbenen Onkels zu erwerben, zu sanieren und als Ferienhaus anzubieten.

 

Im Jahre 2000 kaufte die Mutter von Agnes einen Stall in Braggio, baute ihn aus und wohnte da für 6 Jahre bis sie altershalber wieder in die Deutschschweiz zog. Nach ihrem Tod wurde auch dieses Haus als Ferienhaus angeboten.

 

Kurz darauf kaufte ein Ehepaar aus dem Ausland ein kleines Haus in Braggio. Die neuen Besitzer des Casa Stella hatten aber nicht die Möglichkeit oft und für längere Zeit in die Schweiz zu reisen. So wendeten sie sich an die Familie Berta, ob sie das Haus verwalten und an Feriengäste vermieten möchten.

 

Agnes war einverstanden. Und gleichzeitig suchte sie nach Ideen und Angeboten, um in Braggio die touristische Saison zu verlängern. Feriengäste sollen nicht nur während zwei Sommermonaten anreisen. Die schöne Zeit beginnt im Frühjahr und endet im Spätherbst. Aber wie kann man Gäste auch dann anlocken? Es brauchte einen grösseren Raum, der für zahlreiche Anlässe und Veranstaltungen geeignet war, heizbar, mit Küche und mit einer ansprechenden Architektur. Ideen und Visionen wurden immer konkreter. Ein Projekt reifte. Aber wer soll das ganz umsetzen und dann auch betreiben? Die Familienmitglieder steckten die Köpfe zusammen. Die junge Generation mit Romano und Aurelia waren unterdessen junge Erwachsene und entscheidungsfähig. Romano war gelernter Landmaschinenmechaniker, Aurelia kaufmännische Angestellte im Hotel, Daniela Besitzerin eines Ferienhauses. Wer hatte Interesse im Tourismus weiter zu investieren und zu arbeiten?

Aurelia, Daniela, Luciano und Agnes waren überzeugt ein touristisches Projekt als Ergänzung zur Landwirtschaft zu realisieren. Romano hat grosse Leidenschaft für seinen Beruf und entschied sich für eigene Wege. Unterdessen hat auch er Familie. Wenn Maschinen defekt sind, so ist er erster Handwerker vor Ort.

 

2010 konnte Agnes die angrenzende Parzelle zum Casa dello Zio, Land und sanierungsbedürftiges Haus kaufen. Ein Betriebskostenvoranschlag wurde ausgearbeitet. Erfahrungszahlen gab es praktisch keine. Die Zielsetzung war ehrgeizig. Trotzdem entschied die Familie, die neuen Infrastrukturen zu realisieren. Ein Architekt wurde beauftragt, ein Projekt für die Sanierung des Wohnhauses und einen neuen Mehrzweckraum zu erarbeiten.

 

Dank dem Erbe, das Agnes von Ihren Eltern erhielt, war es möglich, das Projekt umzusetzen. A Fond perdu – Beiträge waren sehr bescheiden.

 

Unterdessen stiegen die Übernachtungszahlen im Casa dello Zio und im Casa Molera. Im Herbst 2010 begannen die Sanierungsarbeiten im Casa Rüss. Ein Jahr später konnten die ersten Gäste empfangen werden. Kaum waren die Bauarbeiten im Casa Rüss beendet, folgte der Neubau für den Mehrzweckraum. Mit einem fröhlichen Einweihungsfest, mit Musik und zahlreichen Gästen endeten die Bauarbeiten und Anfang Juli 2012 wurde der Mehrzweckraum Agriturismo Raìsc eröffnet.

 

Die Jahre vergehen. Das AHV-Alter kommt für Luciano, Daniela und Agnes immer näher.

Aurelia schliesst die Ausbildung „Bäuerin mit Fachausweis“ an der landwirtschaftlichen Schule Plantahof ab. Sie lernt Cleto kennen und entscheidet sich das Haus ihrer Grosseltern in Braggio zu übernehmen. Im Januar 2015 kommt Alina auf die Welt. Eine junge Familie in Braggio! Neue Kräfte…….Zukunft!

 

Das Angebot und Verarbeiten von möglichst vielen eigenen Produkten wie Fleisch, Käse, Gemüse charakterisiert den jungen Gastrobetrieb. Alle Mitarbeitenden sind sich der Herausforderung bewusst, die sie gelegentlich bei grossen Arbeitsspitzen meistern müssen. Trotzdem freuen sich alle auf die nächsten Gäste. Sauber gepflegte Häuser, eine einfache, gute Küche mit Frischprodukten, und zweckmässige Einrichtungen wie Beamer und Grossleinwand werden geschätzt. Während der ersten 5 Betriebsjahre hat sich der Namen Agriturismo Raìsc in der Region und über die Region hinaus etabliert.

 

Ein Höhepunkt für Agriturismo Raìsc war die Nomination für den Agropreis im August 2016. Die Emmental Versicherung schreibt alle Jahre diesen nationalen Preis aus, der an speziell innovative Betriebe aus der ganzen Schweiz verliehen wird. Am 3. November 2016 durften wir unseren Betrieb auf der Bühne des Kursaales von Bern neben anderen 3 nominierte Betrieben vorstellen. Eine grosse Gruppe von Freunden, Gästen, Kunden, Schulkameraden und Fans waren am Anlass in Bern präsent. Die Familie Berta war gefordert. Theater spielen war nicht ihr täglich Brot. Aber jeder ist mit seiner Hauptkompetenz, mit seiner Sprache und mit seiner Persönlichkeit auf die Bühne getreten. Und der Funke sprang! Die Familie Berta mit dem Projekt „Agrotoruismus in abgelegenen Gebieten, ein Puzzle mit vielen Teilen“ gewann den Saalpreis!

Unglaublich!!! Die Reise nach Bern, die Vorbereitungen, die vielen Begegnungen, die festliche Stimmung, die Wertschätzung, das alles hat die Familie beflügelt, um weiter mit Energie und Ausdauer den Betrieb im Bergdorf weiterzuführen und den Namen Braggio in die Welt zu tragen.

 

 

 

 

 

Und das Leben geht weiter. Ab 2017 übernimmt Aurelia den Landwirtschaftsbetrieb mit Agrotourismus. Mehr denn je ist die Mitarbeit der älteren Generation gefragt. Alina bekommt eine Schwester. Mia kommt im März auf die Welt. Zwei kleine Persönlichkeiten wachsen heran, eine Freude für alle.

 

Ein Rückblich nach 5 Betriebsjahren erfüllt die Familie mit Freude. Zahlreiche Gäste sind treue Stammgäste geworden. Die Mundzumund-Werbung funktioniert, und trotz des starken Frankens finden Gäste aus dem Ausland immer wieder den Weg nach Braggio. Der Mehrzweckraum wird auch immer häufiger für Seminare, Weiterbildungen und Kurse aller Art genutzt.

 

Dran bleiben und mit Fantasie, Energie und Konstanz die weitere Zukunft gestalten, das ist die stetige Herausforderung, denn es soll weiter gehen!

 

 

 

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